Die Einfachheit der Achtsamkeit

Sag Ja zum Leben! Autor: Thomas Schneider

Einfachheit kommt dem Wesen der Achtsamkeit sehr nah. Diese Einfachheit setz voraus, dass wir immer wieder loslassen können. Loslassen von dem Konzept, wie der Augenblick zu sein hat.

 

Wenn wir das können, stellt sich der Widerstand  gegen den Augenblick und somit gegen das Leben ein. Wenn dieser Widerstand nicht da ist, entsteht wieder Raum- Platz für eine andere Betrachtungs- Weise des Lebens. Dieses Neu-Betrachten bringt Qualitäten mit sich, wie Einsicht und Verständnis für die Gesamtsituation oder auch Klarheit, was zu tun ist. Aber nicht nur das, wenn wir im Augenblick sind und einverstanden sind mit dem was ist, geben wir den geistigen und emotionalen Potentialen Raum, wie Gelassenheit, Weisheit, Mitgefühl mir gegenüber oder der Situation bzw. den beteiligten Personen gegenüber. 

Diese Einfachheit der Achtsamkeit ist mir zum ersten mal in Tibet begegnet. Menschen, die einfach und doch weise sind, die aus der Achtsamkeit kein Konzept machen, wie es so gerne im Westen passiert, sondern im Fluss des Lebens sind mit all seinen Schwierigkeiten und Schönheiten. Das mag bestimmt nicht für alle Menschen, die dort leben zutreffen, aber bei den meisten denen ich begegnet bin, war dies der Fall.

Ich merkte das daran, dass diese Menschen eine gewisse Gelassenheit, wie Bodenständigkeit, Neugier und eine natürliche Art des Respekts gegenüber der Vielfalt des Lebens und der Menschen hatten.

 

Mit einem unruhigen Geist ist es sehr schwer diese Einfachheit der Achtsamkeit zu erleben, denn dieser urteilt, kompensiert, sucht ständig, meint und denkt, dass es so und so sein müsste. Es ist ja auch verständlich, dass dieser unruhige Geist nicht aufhören möchte, denn was geschieht , wenn er all seine vielen Konzepte, seinen Kampf ums Recht haben, seine Urteile und seine vollen Schubladen loslässt?  Ja, was geschieht dann?  Der unruhige Geist kann sich dies nur schwer vorstellen. Also macht er lieber weiter so, bis nichts mehr geht. Das Resultat kennen wir nur zu gut: Burnout, Erschöpfungszustände, Sinnlosigkeit, Unzufriedenheit mit dem Leben etc. ...

 

Wenn wir den Mut aufbringen, ja zu sagen, innezuhalten, uns bewusst werden bzgl. des  unruhigen Geisteszustand, den wir gerade erfahren, kann dieses festhalten an einen unruhigen Geisteszustand weicher werden und ein Loslassen geschieht. Dann kann diese Einfachheit der Achtsamkeit im Hier und Jetzt Raum bekommen und ganz natürlich geschehen, mit all seinen Qualitäten. Dieser natürliche, wache und doch gelassene Geist wird dann ja zum Leben sagen, ja zu diesem Augenblick. Du musst dann nicht mehr Festhalten an verstaubten Konzepten entstanden aus einem unruhigen und ängstlichen Geist, oder einer Idee wie das Leben zu sein hat.

 

Du wirst dann in der Fülle und Vielfalt des Lebens stehen und aus deiner eigenen Erfahrung mit der Einfachheit, Sanftheit und Schönheit  der Achtsamkeit sagen können:

 

"Das Wunder ist nicht, das wir auf dem Mond gehen können, sondern das wir auf dieser Erde gehen können."

Thich Nhat Hanh

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Kommentare: 5
  • #1

    Erik (Samstag, 28 März 2015 08:49)

    sehr klar geschrieben.
    danke für diese schöne Erläuterung zur Achtsamkeit.

    Erik aus Homburg

  • #2

    jan (Dienstag, 09 Juni 2015 21:43)

    Vielen Dank für diese Zeilen.
    Ich war noch nie im Tibet, aber Einfachheit - und somit auch Aufmerksamkeit - empfinde ich stark, wenn ich Kindern beim Spielen zuschaue. (also weniger, wenn sie in großen Gruppen auftauchen, sondern eher allein oder zu zwieit). DAs kann eine schöne Art der Meditation sein, denn sie sind oft noch ganz im JETZT...

    Jan

  • #3

    Andrea Angel (Sonntag, 06 September 2015 09:52)

    Lieber Thomas ,
    das hast Du sehr schön geschrieben und das habe ich in der Woche mit Dir auf der Alp noch intensiver erfahren , als ich das für mich alleine je erfahren durfte.
    Die gemeinsame Zeit war für mich und meine Hunde eine sehr bereichernde Zeit und ich weiß jetzt auch wie wichtig es ist die App ausZeit- Meditation zu entwickeln.
    Damit nicht nur ich, sondern auch viele Menschen, egal wo sie sich gerade befinden, sich eine Auszeit nehmen können und ihre Aufmerksamkeit auf sich, auf ihren Atem richten können, wann immer es ihnen ein Bedürfnis ist.
    Gemeinsam war das in der Woche auf der Alp ein wunderbares Erlebnis und vielleicht sollten wir alle mal darüber nachdenken, was passiert , wenn wir eine oder mehrere gemeinsame Meditationszeiten ausmachen, um diese Kraft, diese liebevolle Energie zu potentieren.
    Eine wunderbare Zeit für Dich und noch mal herzlichen Dank für alles
    Andrea

  • #4

    Susanne (Donnerstag, 10 November 2016 15:48)

    Lieber Thomas,

    vielen Dank für diesen wunderbar geschriebenen Artikel! Ich stimme dir in deiner Ausführung voll und ganz zu. Allzu oft erlebe ich, wie ich frustriert bin, wenn etwas nicht so ist wie von mir gewollt. Wenn z.B. ein Arbeitskollege zu spät kommt, werde ich immer sehr schnell verärgert und beschimpfe ihn innerlich.
    Aber das ist eine unproduktive Herangehensweise. Von meinem Ärger wird er auch nicht pünktlich ankommen. Besser ist es - wie von dir geschildert - die Situation zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Achtsamkeit über seinen inneren Gedankenprozess und seine Gefühle ist der Weg zu einem besseren Leben.

    Liebe Grüße,
    Susanne

  • #5

    Jasmin (Mittwoch, 22 November 2017 13:08)

    Hallo Thomas,

    wie interessant, dass ich gerade heute auf deinen Beitrag stoße. Ich habe mich mit einer Freundin über Achtsamkeit und Präsenz unterhalten. Ich bin Yogini und mit all den Tools, die mir durch die Yogapraxis gereicht werden, möchte ich unbewusst ja doch zu einem Ziel. Sei es, dass ich mich in Zukunft besser fühle, mehr Kontrolle über meine Emotionen gewinne oder mehr Sanftheit in mein Leben führe. Was ich damit tue, ist, diese Zustände in die Zukunft zu verschieben und begreife so nicht, dass ich jetzt bereits komplett bin.

    Ich lebe auf Bali und auch hier erlebe ich, dass die Menschen, die in Einfachheit leben präsenter sind und Leichtigkeit und Dankbarkeit in ihrem Sein spüren. Wogegen wir Westler ja häufig all unseren Intellekt und unsere Materiellen Güter beiseite schieben wollen, um zu schauen, was es da sonst noch gibt ;) Ich mag diesen Beitrag sehr. Danke!

    Liebe Grüße,

    Jasmin