Meditation in Krisenzeiten – standhaft bleiben
von Thomas (Schneider)
Meditation in Krisenzeiten kann uns helfen, mit Leid, Unsicherheit und innerer Überforderung verbunden zu bleiben. Gerade wenn das Leben schmerzlich, unübersichtlich oder schwer wird, bietet Meditation einen Raum, in dem wir uns selbst begegnen können – ohne uns zu verlieren oder abzuschalten.
Ein häufiger Irrtum besteht darin, Meditation in schwierigen Zeiten als Möglichkeit zu nutzen, um zu vergessen, abzusinken oder innerlich auszusteigen. Doch Abschalten ist keine Meditation. Im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, worum es in der Meditationspraxis wirklich geht.
Versinken als Vermeidungsstrategie
Viele Meditierende versuchen unbewusst, sich durch Meditation von schmerzhaften Gefühlen zu entfernen. Das tiefe Versinken, Wegdriften oder Vergessenwollen wirkt zunächst entlastend, führt jedoch nicht zu innerer Stabilität. In der Meditationspraxis wird dieses „Absinken“ nicht als Meditation verstanden, sondern als eine Form der Vermeidung und als typischer Fehler in herausfordernden Lebensphasen.
Eine Meditation, die uns vom Alltag entfernt, hilft nicht. Eine Meditation, die uns in den Alltag zurückführt, schon.
In der formalen Meditation – also im geschützten Übungsraum – machen wir Erfahrungen, die uns helfen, mit Scheitern, Krankheit, Verlust oder Ohnmacht umzugehen. Eine der zentralen Fähigkeiten, die wir dabei entwickeln, ist Akzeptanz: die Bereitschaft, dem zu begegnen, was gerade da ist, ohne es sofort verändern, lösen oder wegmachen zu müssen.

Kommentare
Gepostet von Ingrid am 04.02.2022
Vielen Dank für den bereichernden Text!
Leidvolle Erfahrungen und der Umgang damit, wenn die Emotionen einen zu überwältigen drohen, das geht tatsächlich auch meiner Erfahrung nach zum einen über die Anerkennung der sich gerade in einer Situation oder Erfahrung zeigenden Realität und zum anderen über die Akzeptanz der Gegebenheiten.
Das ist nicht leicht. Ich durfte aber schon öfter die Erfahrung machen, dass diese Form des "Trainings" hilfreich ist.
Ganz konkret bin ich in Corona-Zeiten in einer engen Freundschaft damit konfrontiert gewesen, wie schwer es für mich auszuhalten ist, wenn eine ganz andere Welt- und Deutungssicht auf das Virus und den politischen Umgang damit besteht.
Lange habe ich versucht, durch Dialog eine Brücke zu schlagen. Dies ist mir nicht gelungen.
Hier in die Frage zu gehen, was noch an Schnittmenge der Freundschaft bleibt, wenn für mich wichtige Werte und Überzeugungen nicht (mehr) geteilt werden, hat mich viel Kraft gekostet und ich dachte, ich könne mit einer kleinen, sich immer mehr verkleinernden Schnittmenge leben.
Heute erkenne ich, dass ich aktzeptiere, wie die innige Freundin denkt und lebt, dass aber diese Akzeptanz für mich auch eine natürliche Konsequenz hat.
Es geht um mehr als eine lebbare Schnittmenge, es geht um (m)eine Haltung.
Ich stehe ganz zu mir und meinen Werten bezüglich Demokratie und dem Vertrauen in die Wissenschaft und gehe in die Selbstfürsorge.
Somit habe ich nun meinen momentanen Rückzug aus der Freundschaft ohne Schuldzuweisungen mitgeteilt und lebe dadurch letztlich einen guten Umgang mit mir. Selbstmitgefühl als Konsequenz der Akzeptanz beinhaltet in diesem Fall die natürliche Konsequenz der Abgrenzung nach 2 Jahren Bemühen um einen Brückenschlag, um mich selbst zu schützen.
Offen bleibt, ob irgendwann eine liebevolle Begegnung wieder möglich ist. Ich wünsche es mir.
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Gepostet von Sylvia am 02.02.2022
Danke, das ist ein wunderbarer und wohltuender Beitrag zur aktuellen Situation bei uns und auf der Welt überhaupt. Diese aktuelle Situation dauert nun schon das 2. Jahr an und wurde noch gesteigert. Uns fehlt der Glaube tief in uns, dass es schon gut kommen wird und dass wir daraus lernen können. Eben dieses Hineinhorchen in unser Innerstes wahres Sein, dort diese Ruhe und Zuversicht zu spüren und daraus Kraft zu tanken für das richtige Handeln im Außen nennt man Resilienz, wenn ich es richtig verstehe. Das hat nichts mit Schönrederei oder gar Verdrängung zu tun. Wir sind uns trotzdem der Ernst der Lage bewusst aber wir bleiben im Gleichgewicht, wägen ab und sind entscheidungsfähig und handlungsfähig. Manchmal gibt es natürlich Augenblicke, wo uns allen dies wieder abhanden kommt. Eben dann sollte man wissen, wie ich wieder in mein Gleichgewicht komme; z.B. mit Innehalten, Meditation und auf unsere innere Stimme oder unser Herz hören. Wenn die Pandemie endlich vorbei ist, haben wir noch einmal die Chance auf dieser Welt (Umgang miteinander, Natur, Umwelt, Wirtschaft, Finanzen, Soziales, Gesundheitspflege jedes einzelnen) alles besser zu machen.
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