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Kreativität – du bist schöpferischer als du denkst

von Gesine (Schneider)

Veröffentlicht am
15.05.2026
Zuletzt aktualisiert
16.05.2026
Kategorie
Persönlichkeitsentwicklung

Wenn jemand dich fragt: „Bist du kreativ?“ was antwortest du?
Viele Menschen zögern. Sie denken an Maler, Musiker, Schriftsteller. Und sagen dann leise: „Eigentlich nicht so.“
Aber was, wenn du dich dabei geirrt hast?
Was, wenn Kreativität nicht das ist, was du denkst?

Was Kreativität wirklich bedeutet

Das Wort „Kreativität" kommt vom lateinischen creare – erschaffen, hervorbringen.

Es geht nicht um Kunst. Es geht um die Fähigkeit, aus dem was ist, etwas Neues entstehen zu lassen. Und diese Fähigkeit ist zutiefst menschlich.

  • Der Anwalt, der für seinen Mandanten die unerwartete Lösung findet – die, an die niemand sonst gedacht hat.
  • Der Börsenmakler, der in Zahlen Muster erkennt und daraus Entscheidungen trifft, die andere nicht sehen.
  • Die Krankenschwester, die für einen verängstigten Patienten genau die richtigen Worte findet.
  • Die Lehrkraft, die schwierigen Stoff so erklärt, dass er plötzlich lebendig wird.
  • Die Mutter, die aus einem schwierigen Gespräch mit ihrem Kind etwas Verbindendes macht.

Das alles ist Kreativität.
Sie versteckt sich im Alltag. In Beziehungen. In Berufen. In Momenten, die wir längst nicht mehr als besonders wahrnehmen – weil sie so selbstverständlich geworden sind.

Die Frage ist nicht: Habe ich Kreativität?
Die Frage ist: Erkenne ich sie in mir?

Kreativität als eine der 8 Selbstqualitäten (IFS)

Im Ansatz des Internal Family Systems (IFS) nach Richard Schwartz gibt es einen inneren Kern in jedem Menschen – das sogenannte Selbst. Wenn wir aus diesem Selbst heraus handeln, zeigen sich acht Qualitäten, die sogenannten 8 Cs:

  • Calmness – Ruhe / Gelassenheit
  • Clarity – Klarheit
  • Curiosity – Neugier
  • Compassion – Mitgefühl
  • Confidence – Selbstvertrauen
  • Courage – Mut
  • Creativity – Kreativität
  • Connectedness – Verbundenheit

Kreativität ist also keine Eigenschaft, die manche haben und andere nicht. Sie ist eine innere Qualität – ein Zugang, der in jedem von uns vorhanden ist. Manchmal fließend. Manchmal überdeckt.

👉 In unserem ersten Artikel dieser Reihe haben wir uns mit Mut als Selbstqualität beschäftigt – und warum er oft leiser beginnt als wir denken.

👉 Alle 8 Selbstqualitäten im Überblick: Aus dem Herzen heraus – die 8 Selbstqualitäten.


Was Kreativität überdeckt

Wenn wir in einem Zustand von Angst, Kontrolle, Druck oder Bewertung sind – dann ziehen sich unsere inneren Anteile zusammen.
Der Manager-Anteil übernimmt.
Der innere Kritiker hat das Sagen.
In solchen Momenten wird Kreativität eng.

Wir denken in alten Schienen. Wir wiederholen bekannte Muster. Wir sehen keinen Spielraum.

Das ist kein Versagen. Das ist Schutz.
Diese Anteile – im IFS-Ansatz als Beschützer bezeichnet – tun ihr Bestes. Sie wollen uns sicher halten. Aber sie zahlen einen Preis: Sie engen den Raum ein, aus dem heraus Neues entstehen kann.

Wenn der innere Raum sich weitet – durch Achtsamkeit, durch Selbstmitgefühl, durch Stille – dann beginnt die Kreativität wieder zu fließen. Nicht als Leistung. Sondern als natürlicher Ausdruck dessen, wer wir wirklich sind.

Mann kniet im Gebirge beim Sonnenaufgang und findet innere Stille

Kreativität aus Liebe oder aus Angst

Hier kommt eine wichtige Unterscheidung. Kreativität ist nicht automatisch gut.

Kreativität, die aus Verbundenheit, Mitgefühl und Liebe heraus wirkt, schafft – für uns und für andere. Sie bringt Lösungen, die alle stärken. Sie öffnet Wege, die niemand allein gesehen hätte.
Kreativität, die aus Angst, Kontrolle oder Machtstreben heraus wirkt, kann zerstören – leise oder laut.

Manipulative Kommunikation ist kreativ. Destruktive Systeme sind kreativ entworfen. Auch das ist Schöpferkraft, aber ohne innere Ausrichtung.

  • Deshalb ist die Frage nicht nur: Bin ich kreativ?
  • Sondern: Aus welchem inneren Ort heraus handle ich gerade?

Jeden Moment neu entscheiden

Das Schöne und das Anspruchsvolle ist:
Wir können uns jeden Moment neu ausrichten. Nicht als große Entscheidung. Sondern in kleinen Augenblicken der Bewusstheit.

  • Ein Atemzug.
  • Eine kurze Pause.
  • Die stille Frage: Wie möchte ich gerade handeln?

Das ist keine naive Vorstellung. Das ist eine Praxis. Eine, die mit Übung leichter wird und die genau das ist, was wir in unseren Seminaren gemeinsam erkunden.

Eine Übung: Deine Kreativität im Alltag entdecken

Nimm dir fünf Minuten. Einen ruhigen Moment. Vielleicht draußen in der Natur oder an einem Ort, an dem du für einen Moment ungestört bist.

1. Ankommen

  • Schließe für einen Moment die Augen — oder richte deinen Blick weich auf einen Punkt vor dir.
  • Atme drei tiefe, bewusste Atemzüge.
  • Spüre deine Füße am Boden.
  • Nimm wahr, wie dein Körper gerade da ist — ganz ohne etwas verändern zu müssen.

2. Den Blick nach innen richten

  • Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Alltag.
  • Auf deine Arbeit.
  • Auf deine Beziehungen.
  • Auf die kleinen und großen Entscheidungen, die du jeden Tag triffst.

3. Dir ehrlich begegnen

Frage dich innerlich:

  • Wo bin ich gerade schöpferisch – ohne es so zu nennen?
  • Wo finde ich Lösungen, die nicht im Lehrbuch stehen?
  • Wo verbinde ich Menschen, Gedanken oder Möglichkeiten auf meine ganz eigene Weise?
  • Wo bringe ich etwas hervor, das vorher nicht da war?

Lass die Antworten kommen.
Ohne sie zu bewerten.
Ohne sofort etwas verstehen zu müssen.

4. Es wirklich ankommen lassen

  • Wenn etwas auftaucht, bleibe einen Moment dabei.
  • Spüre, was dieser Gedanke in deinem Körper auslöst.

 

  • Vielleicht ein wenig Wärme.
  • Mehr Weite.
  • Ein stilles Lächeln.
  • Oder einfach ein kleines inneres „Ja".

5. Einen Samen setzen

Frage dich zum Abschluss:

Wo möchte meine Kreativität in den nächsten Tagen ein wenig mehr Raum bekommen?

Atme bewusst aus.
Und nimm diesen Impuls mit in deinen Tag.

Diese Übung ist ein erster Schritt. Sie hilft dir, die Kreativität zu sehen, die schon in dir wirkt und damit den Boden zu bereiten für mehr.

Steinhaufen an einem Bergbach als Symbol für innere Balance, Achtsamkeit und Kreativität

Seminare, in denen du tiefer gehst

🧘 MBSR meets MSC – Achtsamkeit trifft Selbstmitgefühl

Wenn Achtsamkeit und Selbstmitgefühl zusammenkommen, entsteht ein Raum, in dem du dir selbst mit weniger Bewertung und mehr Wärme neu begegnen kannst.
Und genau dort erwacht oft die Kreativität: wenn der innere Kritiker leiser wird und das Selbst mehr Raum bekommt.

→ Mehr Informationen zu MBSR meets MSC

 

🧘 Intensivwoche Meditation & Selbstmitgefühl

Eine Woche tief eintauchen in Meditation, Selbstqualitäten und die Frage, wer du bist, wenn du aufhörst, dich zu bremsen. Raum für das, was in dir schlummert.

→ Mehr Informationen zur Intensivwoche

 

🧘 Meditationswoche IFS – Internal Family Systems

In dieser Woche arbeitest du direkt mit deinen inneren Anteilen und entdeckst, wie die 8 Selbstqualitäten in dir wirken.
Ein kraftvoller Rahmen, um dein inneres System besser zu verstehen und dich selbst wohlwollender zu begleiten.

→ Mehr Informationen zur IFS-Meditationswoche

Häufige Fragen zu Kreativität, IFS und Selbstqualitäten

Im Internal Family Systems-Ansatz ist Kreativität eine der 8 Selbstqualitäten – Eigenschaften, die sich zeigen, wenn wir aus unserem inneren Selbst heraus handeln, anstatt von schützenden oder verletzten Anteilen gesteuert zu werden. Kreativität meint hier nicht künstlerisches Talent, sondern die Fähigkeit, offen, flexibel und schöpferisch auf das Leben zu reagieren.

Kreativität ist keine Fähigkeit, die manche haben und andere nicht. Sie ist in jedem Menschen angelegt, aber manchmal verschüttet. Durch Bewertung, Druck, alte Glaubenssätze oder einfach Gewohnheit. Die gute Nachricht: Du kannst lernen, sie wieder zugänglich zu machen. Nicht als Technik, sondern als innere Haltung, die du Schritt für Schritt einübst.

Übung dazu — "Der kreative Moment" 

Nimm einen Gegenstand aus deiner Umgebung – irgendeinen. Eine Tasse, einen Stift, einen Stein.
Halte ihn in den Händen und schau ihn an, als würdest du ihn zum ersten Mal sehen.

Stelle dir drei Fragen:

  • Wozu könnte dieser Gegenstand noch dienen – außer seinem eigentlichen Zweck?
  • Was fällt dir daran auf, das du noch nie bemerkt hast?
  • Welches Gefühl oder welche Erinnerung verbindest du damit?

Lass die Antworten kommen ohne Bewertung. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
Diese kleine Übung trainiert genau das, was Kreativität im Kern ist: einen vertrauten Gegenstand – oder eine vertraute Situation – mit frischen Augen sehen.

Meditation schafft inneren Raum. Wenn wir regelmäßig meditieren, treten wir aus dem automatischen Reagieren heraus und gewinnen Zugang zu einem ruhigeren, klareren inneren Ort, dem Selbst im IFS-Sinne. Von dort aus entstehen neue Perspektiven, neue Einsichten und Verbindungen, aus denen Kreativität entsteht.

Die IFS-Seminare bei Wege zum Sein richten sich an Menschen, die sich selbst besser verstehen möchten, unabhängig von Vorkenntnissen in Meditation oder Psychologie. Du brauchst keine Vorbereitung, nur die Bereitschaft, dich auf dich selbst einzulassen.

Ja, du kannst. Unsere Seminare richten sich an Menschen, die sich auf den Weg machen möchten, nicht an solche, die bereits angekommen sind. Vorerfahrung ist kein Kriterium. Was zählt, ist die Bereitschaft, dich auf dich selbst einzulassen. Den Rest lernst du, indem du dabei bist.

Eigentlich gar nicht so sehr, wie wir oft denken. Viele Menschen setzen ihre Kreativität täglich ein, ohne es zu bemerken. Sie ist wie ein verborgener Schatz, der ständig gehoben wird, ohne dass wir ihn als solchen erkennen.
Manche Aufgaben lösen wir in Routinen, auf eingeübten Trampelpfaden. Das ist sinnvoll und entlastet uns. Aber sobald eine Situation Flexibilität erfordert, sobald der gewohnte Weg nicht mehr passt, ist Kreativität bereits im Spiel. Denn Kreativität drückt sich oft genau darin aus: in der Fähigkeit, flexibel zu reagieren, umzudenken, einen anderen Weg zu finden.

Es gibt kein Leben ohne Kreativität. Der Übergang vom Alltäglichen zum Schöpferischen ist fließend. Was fehlt, ist meist nicht die Kreativität selbst, sondern der Blick, der sie erkennt.

Wie ist das bei dir?

Wo begegnet dir deine Kreativität im Alltag, ohne dass du sie so nennst? 
Teile deine Gedanken und Erlebnisse mit uns in den Kommentaren!

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